Autor

Populäre Sachbücher, Philosophie und Wissenschaft "für jedermann"

Freitag, 4. Juni 2021

Feedback im Klima: der aktuelle Beitrag zu den Kipp-Punkten

Das hätte noch in die 2. Auflage von "Feedback"  gepasst: Der Artikel "Der gefährliche Dominoeffekt der Kipppunkte" im SPIEGEL online.

Dort steht: 

"Ein typisches Kippelement ist beispielsweise das Abschmelzen des Meereises in der Westantarktis. Weil die hellen Eisflächen auf See nach und nach verschwinden, wird die darunter liegende Meeresoberfläche freigelegt. Aber während das helle Eis das warme Sonnenlicht reflektierte, wird es nun absorbiert. In der Folge steigen die Temperaturen – der Schmelzvorgang beschleunigt sich noch und ist nicht mehr zu stoppen."

Forscher "simulierten in aufwendigen Netzwerkanalysen die Wechselwirkungen zwischen vier bekannten Kippelementen bei unterschiedlichen Temperatursteigungen: 1. den Eisschilden Grönlands, 2. der Westantarktis, 3. der Atlantikzirkulation und 4. dem Amazonaswald."

Sonntag, 9. Mai 2021

Montag, 15. März 2021

PAUSE und keine Ende

 

Diese Pause war - bedingt durch viele widrige Umstände - sehr lang ... und dauert immer noch an.

Inzwischen geht die 2. Auflage von "Feedback" in den Druck. 

Zur Pandemie ist aus Systemgesichtspunkten zu sagen:

Unser lineares Denken scheint uns daran zu hindern, in der aktuellen Krise die Eigenschaften eines kom­plexen dynamischen Rückkopplungssystems zu erkennen:

  • die vorhandene Totzeit, nämlich die symptomlose Inkubationszeit nach einer In­fektion,

  • das exponentielle Systemverhalten im Falle von massenweisen Ansteckungen,

  • das Präventionsparado­xon (https://de.wikipedia.org/wiki/Prävention#Präventionsparadoxon), das einen perfekten Rückkopplungskreis zwischen dem Anstieg der Fallzahlen und den anschließenden Lockerungen illustriert,

  • die Dunkelziffer, nämlich den Unterschied zwischen der Anzahl der getesteten und infizierten Personen,

  • die statistische Natur der Erscheinungen, deren Häu­figkeit ungefähr einem Vierer im Lotto (ca. 1:1000 bei 6 aus 49) entspricht (den viele Leute für hoch wahrscheinlich halten, die entsprechende Ansteckungs-wahrscheinlichkeit mit dem Virus aber nicht).1

All dies ist der Blickwinkel aus Sicht der Systemtheorie und keine soziologische, ökonomische oder epidemiologische Analyse.

1Wenn die Ansteckungswahrscheinlichkeit auf den Lotto-Sechser gefallen ist, gehe ich auch wieder ohne Schutz in Menschenmengen :-)


 

Freitag, 1. November 2019

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Interview zum Buch "Digital"


Der "Humanistische Pressedienst" hat ein schönes Interview veröffentlicht. Auf der Seite zum "Wissenschaftsjahr 2019" findet sich ebenfalls ein Beitrag dazu: Titel „Künstliche Intelligenz“ – Fluch oder Segen?


Samstag, 21. September 2019

Mittwoch, 14. August 2019

Planwirtschaft durch Big Data


Die NZZ fragt: „Macht uns der Computer zu Kommunisten?“ 



Die Klassiker der liberalen Ökonomie brachten gegen die Planwirtschaft vor allem einen steuerungstheoretischen Einwand vor: Der Planer verfügt nie über bessere Echtzeitinformationen als der Markt. Der Staat weiss nicht, wie viele Fahrzeuge, Toaster und Türgriffe produziert werden müssen, damit der gegenwärtige Bedarf gedeckt ist. Man müsste Millionen von Gleichungen lösen, um ein makroökonomisches Gleichgewicht zu erhalten. Eine zentrale Planungsbehörde könne nie das gesamte Wissen über die Gesellschaft aggregieren, geschweige denn die Nachfrage nach bestimmten Gütern berechnen. Doch durch die Fortschritte der Informationstechnologie könnte dieses Wissensproblem gelöst werden.“

Alibaba-Chef Jack Ma ist von der Idee beseelt, dass man mit Big-Data-Analysen die Planungsfehler der Vergangenheit korrigieren und eine Planwirtschaft 2.0 ins Werk setzen könne: «Im Zeitalter der Daten ist es so, als hätten wir ein Röntgengerät und eine Computertomografie-Maschine für die Weltwirtschaft.» Alibaba könnte mit den Daten seiner 500 Millionen Kunden den Prozess der Preisbildung simulieren. Wer interessiert sich für welches Produkt? Wer plant die Anschaffung einer Waschmaschine? In welcher Region steigt die Nachfrage nach Autos? Mit mathematischen Modellen könnte man die Angebots- und Nachfragemenge analog zum Markt am Computer berechnen und eine Art künstlichen Preisbildungsmechanismus entwickeln.“

Lesen Sie den Artikel des Politikwissenschafters und Journalisten Adrian Lobe hier.

Donnerstag, 8. August 2019

Ja, aber ...


Markus Lanz fragt eine Klimaschutzaktivistin, wie denn der Individualverkehr der Pendler auf dem Lande ohne Verbrennungsmotoren bewältigt werden soll. Dunja Hayali konfrontiert Robert Habeck mit drei von Klimaschutzmaßnahmen Betroffenen. Eine ist Vorsitzende der Gewerkschaft in einer Braunkohlenförderung. Sie verweist darauf, dass in der Nachbarschaft in Polen ein neues Kohlekraftwerk entstehe, während in der Lausitz die Braunkohleverstromung aus Grünen-Sicht lieber schneller als geplant beendet werden solle. Der zweite ist Landwirt und sein Schweinemastbetrieb arbeitet nur unter erheblichem CO2-Ausstoß profitabel. Der Dritte ist der Chef des Flughafens Hannover und argumentiert gegen eine Kerosinsteuer - dann würden Flugzeuge halt im Ausland betankt. Allen Klimaschützern (was immer das ist) werden immer Kosten, Arbeitsplätze, individuelle Freiheit und Verzicht vorgehalten.


Die Titanic sinkt. Der Kapitän schickt die Passagiere in die Boote. "Ja, aber dann wird doch mein Kleid nass." "Ja, aber mein Nachbar geht ja auch nicht." "Ja, aber Sie können mir doch nichts vorschreiben!" "Ja, aber ich habe doch für die ganze Reise bezahlt!"

Wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder uns mehr verfluchen als wir unsere Eltern, die das Dritte Reich ermöglichten, dann müssen wir handeln. Das heißt verzichten, zahlen, zurückstecken, ertragen ... aufhören, so zu leben, wie wir es tun. 

Nachtrag: die jährlichen Ressourcen der Erde waren am 29. Juli aufgebraucht (Earth Overshoot Day)

Dazu schreibt die SZ: "Ein bisschen Verzicht reicht nicht" „Es steht nicht gut um die Erde“, steht dort, denn „weltweit stehen Böden, Wälder und Feuchtgebiete vor allem durch die Nahrungsmittelpro-duktion unter enormem Druck. In vielen Regionen droht Wassermangel, es besteht akute Waldbrandgefahr, einst fruchtbare Weiden verwandeln sich in Wüsten, der Permafrost schmilzt und Ernten sind auch nicht mehr sicher. Das macht Angst. Und es macht wütend: auf die Menschen, die es so weit haben kommen lassen, sich selbst eingeschlossen, und auf die, die noch immer "Ja, aber ..." sagen, wenn es um Klimaschutz geht.“

Mittwoch, 7. August 2019

KI = "künstliches Bewusstsein"?


Die NZZ bringt ein Interview mit dem britischen Schriftsteller Ian McEwan, der in „Maschinen wieich“ einen Androiden mit Bewusstsein beschrieben hat. Überflüssig zu sagen, dass das auch in „Digital. Wie Computer denken“ umfassend behandelt wird. 


Zwei Zitate:

„Bei öffentlichen Auftritten fragen mich Leute: «Weshalb interessieren Sie sich für Naturwissenschaften?» Die Frage erscheint mir ebenso dumm wie die Frage: «Weshalb interessieren Sie sich für Literatur?» Oder: «Weshalb interessieren Sie sich überhaupt für irgendetwas?»“

„Abgesehen von den grossen Problemen wie Klimawandel und der Möglichkeit eines Nuklearkriegs liegt die grösste Herausforderung meiner Meinung nach jedoch in der Frage: Was geschieht, wenn wir Maschinen herstellen, die intelligenter als wir selbst und die dem Menschen zudem in moralischer Hinsicht überlegen sind? Und was geschieht, wenn diese Maschinen an der nächsten Generation ihrer Konstruktion mitarbeiten und die ganze Sache über unseren Verstand hinauszuwachsen beginnt? Wir werden uns Gewissheit darüber verschaffen müssen, wo wir aufhören und sie beginnen. Aber diese Fragen bleiben vollkommen offen, weil die Vielzahl der Möglichkeiten in mathematischer Hinsicht kolossal ist und unsere Technologien und die Auswirkungen, die sie auf unser Leben haben, eine Komplexität erreicht haben, die Vorhersagen völlig unmöglich macht.“

Und schließlich:
"Wir müssen uns im Klaren darüber sein, wie weit wir die Kontrolle über unser Leben bewahren wollen. Über die Art und Weise, wie wir das Leben für uns selbst beschreiben und welche Rolle die Literatur dabei spielt. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass unsere Existenz von der gewaltigen Revolution, die wir durchleben, nicht mehr getrennt werden kann. Die künstliche Intelligenz ist nur ein Aspekt des gesamten digitalen Augenblicks. Wir hätten uns niemals vorstellen können, welchen Einfluss das Internet auf unsere Politik haben würde. Dass es einen amerikanischen Präsidenten ins Amt heben würde. Wir befinden uns also in einem freien Fall, den wir zum Teil unserer eigenen Cleverness verdanken. Unserer technischen Cleverness, die so viele mögliche Zukünfte erzeugt, dass wir darüber keine Vermutungen mehr anstellen können."



Montag, 22. Juli 2019

Überwachung ... das Neuste

Mein Buch "Digital" ist fast schon veraltet, obwohl es gerade erst erschienen ist. Gesichtserkennung war gestern. Das chinesische Start-up Watrix erkennt jetzt mithilfe künstlicher Intelligenz Personen an ihrer Körperform und ihrem Gang. DER SPIEGEL berichtete darüber. " "Zwei Schritte, und das System hat Sie erkannt!"


Bei einer beliebsten Fernsehshow läuft ein "Turing-Test": Tanzende Zwillings- bis Vierlingspärchen müssen von Menschen und der AI unterschieden werden. Wer siegte? Natürlich, die KI!! "Die Technologie wird China zum Besseren verändern!", sagt ein Firmensprecher von Watrix. Bis zum Jahr 2020 sollen 600 Millionen Überwachungskameras installiert sein. Sicherheit geht vor Privatsphäre!


Mittwoch, 17. Juli 2019

Wer ist Margaret Hamilton?


Mein Buch „Digital“ ist im Druck und kommt bald auf den Markt. Ich muss gestehen: Margaret Hamilton habe ich nicht darin erwähnt. Neben Ada Lovelace (die von einigen Historikern als „die erste Person, die als Programmierer bezeichnet werden kann“ angesehen wird) war sie eine der wenigen Frauen im IT-Geschäft, die bekannt geworden sind. Sie war die Chefin der 24-köpfigen Truppe, die den (aus heutiger Sicht vorsintflutlichen) Code für die Apollo-11-Mondlandung schrieb). Die NZZ hat einen langen lesenswerten Artikel darüber geschrieben („Was die Software von Apollo 11 über die Programmiererin hinter derMondmission verrät“).

Margaret Hamilton steht neben Ausdrucken der Apollo-Flugsoftware.

Auch im Fachblatt WIRED steht ein Artikel über sie.


Donnerstag, 27. Juni 2019

KI und der "Hurrikan von Widersprüchen"


Ian McEwan schreibt in seinem Roman „Maschinen wie ich“ über einen der ersten Androiden, menschenähnlichen Robotern mit „künstlicher Intelligenz“:

"Wir erschaffen Maschinen mit Intelligenz und Bewusstsein und stoßen sie hinaus in unsere unvollkommene Welt. Sie sind nach rationalen Grundsätzen geschaffen, anderen Menschen gegenüber positiv eingestellt, und nun wird ihr Verstand von einem Hurrikan von Widersprüchen erfasst. Wir selbst haben damit zu leben gelernt, und die Liste ödet uns an: Millionen sterben an Krankheiten, die wir heilen können. Millionen leben in Armut, obwohl es genug für alle gibt. Wir zerstören unsere Biosphäre, obwohl wir wissen, dass sie unsere einzige Heimat ist. Wir bedrohen uns gegenseitig mit Atomwaffen, auch wenn wir wissen, wohin das führen kann. Wir lieben Lebendiges, lassen aber massenhaftes Artensterben zu. Und dann der ganze Rest – Genozid, Folter, Versklavung, häus‌liche Gewalt bis hin zum Mord, Kindesmissbrauch, Schießereien in Schulen, Vergewaltigungen, tagtäg‌lich eine schier endlose Zahl skandalöser Greueltaten. Wir leben mit all diesen Grausamkeiten und sind nicht mal erstaunt, wenn wir trotzdem unser Glück, sogar die Liebe finden. Künst‌liche Intelligenzen sind da weniger gut geschützt."

Sonntag, 16. Juni 2019

Amazon verkauft auch Bücher


BBC NEWS berichtet über "Amazon's next big thing"

"Ich sehe Amazon als ein Technologieunternehmen, das gerade erst im Einzelhandel tätig war", beginnt Werner Vogels, Chief Technology Officer von Amazon.
Nur "sterbliche Menschen", sagt er mir in einem Interview, sahen Amazon jemals als reinen Einzelhändler. Die Frage ist also jetzt: Was wird Amazon als nächstes tun? Und sind bloße Sterbliche bereit dafür?
Die jüngste Re:Mars-Veranstaltung in Las Vegas zeigte deutlich - durch Präsentationen über Maschinenlernen, Robotik und Raumfahrt -, dass sich das Unternehmen in einer Übergangsphase befindet, die bei Erfolg seine Beziehung zur Öffentlichkeit neu definieren wird.
Die unglaublichen, hochentwickelten Systeme von Amazon werden nicht mehr nur für gute Geschäfte, schnelle Lieferzeiten oder billigen Webspeicher verwendet. Seine großen Datenkapazitäten sind heute das Werkzeug der Polizei und vielleicht bald auch des Militärs. In der Unternehmenswelt positioniert sich Amazon als das "Gehirn" hinter fast allem.
"Es gibt nur eine Reihe von Problemen, für die man neue Algorithmen entwickeln muss", sagt Herr Vogels und schlägt für alles andere vor, dass Unternehmen Amazon einfach nutzen sollten.
"Der Einsatz von Maschinenlernen wird stark explodieren, wenn es jeder kann."
Unter den Tools, die Amazon anbietet, ist das Bilderkennungsprodukt von Amazon das umstrittenste. Gegen eine Minutengebühr von wenigen Pence kann Amazon Rekognition Videomaterial scannen und z.B. die Gesichter von Personen erfassen, die dann in der Datenbank eines Kunden überprüft werden können.
Bürgerrechtsgruppen haben sie als "vielleicht die gefährlichste Überwachungstechnologie aller Zeiten" bezeichnet und Amazon aufgefordert, den Verkauf an Regierungsbehörden, insbesondere Polizeikräfte, einzustellen. Stadtaufseher in San Francisco haben die Verwendung verboten und sagten, dass die Software nicht nur aufdringlich, sondern auch voreingenommen ist - sie ist besser in der Erkennung von Weißen als von Schwarzen und Asiaten.
Herr Vogels glaubt nicht, dass es in der Verantwortung von Amazon liegt, dafür zu sorgen, dass Rekognition korrekt oder in ethischer Weise eingesetzt wird.
"Das ist nicht meine Entscheidung", sagt er mir.
"Diese Technologie wird an vielen Stellen für immer genutzt. Es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft, tatsächlich zu entscheiden, welche Technologie unter welchen Bedingungen einsetzbar ist."
"Es ist ein gesellschaftlicher Diskurs und eine Entscheidung - und Politikgestaltung -, die passieren muss, um zu entscheiden, wo man Technologien anwenden kann."
Er vergleicht ML (Maschinenlernen) und KI mit Stahlwerken. Manchmal wird Stahl verwendet, um Inkubatoren für Babys herzustellen, sagt er, aber manchmal wird Stahl verwendet, um Waffen herzustellen.

Das alte Märchen von der ethischen Neutralität von Technik. Mein Buch "Digital" nimmt auch dieses Argument auseinander.

Die eBook-Version des Titels ist in Kürze verfügbar. Erscheinungstermin: 12. August 2019